Mikrofonierung von Holz- und Blechblasinstrumenten
Es gibt viele kommerzielle Aufnahmen auf dem Markt, die deutlich zeigen, dass eine Mikrofonübersteuerung ein Problem darstellt. Manche Instrumente (Blechblasinstrumente, Schlagzeug, Percussion) können Spitzenlautstärken weit über 140 dB erreichen.

Bei einem Abstand von wenigen Zentimetern kann der Pegel höher sein. Das erfordert natürlich ein Mikrofon, das diese Pegel ohne Übersteuerung bewältigen kann und dennoch ein ausreichend niedriges Grundrauschen aufweist, um eine digitale Aufnahme zu ermöglichen.
Klangmuster
Jedes Musikinstrument strahlt seinen Klang in einem Muster aus, das je nach Frequenzbereich von (fast) rundstrahlend bis stark in eine oder mehrere Richtungen gebündelt variiert. Dazu gehören herzförmige, schmetterlingsförmige und achtförmige Muster. Der Aufnahmeraum und die jeweilige Position der Instrumente im Raum beeinflussen ebenfalls das Muster in Bezug auf das Mikrofon.

Nahbesprechung und Nahmikrofonierung
Die meisten Instrumente haben sich über einen langen Zeitraum – manchmal sogar über Jahrhunderte hinweg – zu dem Musikinstrument entwickelt, das wir heute kennen. Die meisten ursprünglichen Instrumentenbauer hatten nie vor, dass ihre Kreationen aus nächster Nähe gehört werden sollten. Historisch gesehen betrug der Mindestabstand, aus dem man einem Musikinstrument lauschte, mindestens zwei Meter und oft sogar deutlich mehr (1., 10. oder 20. Reihe in einem Saal). Bei diesen Abständen ergibt sich eine gute Mischung aus Grundton und geraden sowie ungeraden Obertönen, zusammen mit frühen Reflexionen und entfernten Raumnachhallanteilen.
Diese Parameter, die früher die Klangqualität eines Instruments prägten, müssen nun in einer „Up-Front“- oder „In-Your-Face“-Situation betrachtet werden. Als Toningenieur liegt es in Deiner Verantwortung, dem Klang die vorteilhaften Eigenschaften hinzuzufügen, die der Abstand bei deiner „Close-Miking“-Technik erzeugt. Hör einfach mal ganz nah am Bogen einer Geige hin oder halte Dein Ohr an den Hammer eines Konzertflügels und vergleiche das mit dem Klang, der aus mittlerer Entfernung entsteht – dann weißt Du, was wir meinen. Nahmikrofonierung verstärkt die mechanischen Geräusche von Hämmern, Ventilen, Bögen und Schlägeln. Diese problematischen Klangkomponenten müssen beobachtet und behandelt werden.

In unmittelbarer Nähe eines Instruments schwanken der Schalldruckpegel, der Obertonanteil und die mechanischen Geräusche erheblich und nehmen deutlich zu. Manchmal reicht es bei der Positionierung des Mikrofons schon aus, den Abstand um einen einzigen Zentimeter zu vergrößern oder zu verringern oder den Winkel der Mikrofonhaltung um zehn Grad zu verändern, um diese unerwünschten Geräusche auszugleichen. Gleichzeitig musst Du die Obertonveränderungen ausgleichen, die dadurch entstehen, dass das Mikrofon so nah dran ist. Für eine qualitativ hochwertige Aufnahme mit Nahmikrofonierungstechniken ist es entscheidend, dies zu beachten.
Polarcharakteristiken
Polarcharakteristiken muss man studieren und verinnerlichen. Sie werden durch das Instrument, den Raum und das Mikrofon bestimmt. Wenn Du das täglich machst, wirst Du in nur wenigen Jahren ein umfangreiches Wissen über die Frequenzcharakteristiken von Instrumenten und deren Wechselwirkungen in verschiedenen Situationen erwerben. Das wird sehr nützlich sein, wenn Du mehrere Instrumente gleichzeitig aufnimmst (z. B. wo man die Waldhornisten im Verhältnis zu Tuba, Saxophon, Oboe oder Flöte usw. platzieren sollte).

